Mindful Business Interview

Oliver Groß, Sonett GmbH, Deggenhausen im Gespräch mit
Christoph Böninger, u.a. Gründer des Möbel-Labels AUERBERG

Achtsamkeit in Bezug auf den Umgang mit unserem Planeten und dessen Ressourcen und “hartes Business” scheinen sich oft zu widersprechen. Muss dies so sein? Wo liegen die Potenziale und wo die größten Widerstände?

Was ist hartes Business? Das klingt nach Rücksichtslosigkeit gegenüber zumindest einem Beteiligten an einem Geschäftsprozess. Das kann der Kunde sein, womit die Geschäftsbeziehung nur sehr kurz sein wird oder ein Zulieferer oder die Mitarbeiter. „Hartes Business“ zielt auf Übervorteilung. Kein Geschäftsmodell wird mit diesem Ansatz nachhaltig erfolgreich sein. Mir hat ein Geschäftspartner mal gesagt, „der beste Vertrag ist derjenige, bei dem ich nicht weiß, auf welcher Seite ich unterschreiben soll.“ Dies setzt hartes, aber faires Verhandeln mit Augenmass voraus.

Mindfulness ist eher etwas, das in uns passiert oder von uns ausgeht. Gibt es äußere Anlässe in der Wirtschaft, die sogar Achtsamkeit fordern? Wenn ja, wo fühlen Sie diese Forderung am stärksten?

Mindfulness bzw. Achtsamkeit ist immer gefordert, das Gegenteil wäre fatal, siehe Frage 1. Menschenkenntnis ist in jeder Geschäftsbeziehung erforderlich und die Fähigkeit, sich in den Geschäftspartner hineinzuversetzen, hilft, eigene Spielräume auszuloten.

Gibt es Übungen oder Verhaltensweisen oder Fragen, die Sie nutzen, wenn Sie sich mit einem neuen Geschäftsfeld, einem neuen Produkt, einer neuen Geschäftsidee beschäftigen – die einem meditativen Zustand ähneln könnten?

Eigentlich bin ich nur neugierig auf Menschen und deren Lebenswelten. So macht es einfach Spaß, mich in andere Menschen hinein zu versetzen – man fühlt sich dann fast wie der Profiler bei Krimisendungen.

Gab es besondere Begegnungen mit anderen Menschen die Ihre Arbeitsweise stark beeinflusst haben?

In gewisser Weise beeinflusst jeder Geschäftspartner/Kunde meine Arbeitsweise, die auch je nach Umfeld und Situation variieren kann, aber sicherlich gab und gibt es Menschen in meinem engen Umfeld, die einen großen Einfluss auf mich und meine Denk- bzw. Arbeitsweise ausüben.

Gibt es ein Schulfach, das Sie einführen würden, um einen achtsameren Umgang mit Ressourcen, Menschen und Umwelt zu fördern?

Das sollte Bestandteil jedes Schulfaches sein.

Für wie wichtig halten Sie es zwischendurch einmal einen Tag persönlich “offline” zu sein (hiermit verbinde ich auch die Frage nach dem Erleben von?

“Offline” ist immer gut für die Fokussierung auf das Wesentliche und Einsamkeit ist dann gut, wenn daraus zunächst ein Gefühl der Langeweile entsteht, welches irgendwann zu neuen Ansichten führen kann.

Über ein herausstechendes Ereignis in Ihrer Ausbildung in Bezug auf Achtsamkeit würde ich mich freuen

Die Hochzeit mit meiner Frau vor 30 Jahren und unsere drei Kinder.

Vielen Dank

Kurzvita Christoph Böninger

Als Diplomarbeit entwarf Christoph Böninger 1982 den weltweit ersten Laptop, der heute in der Pinakothek der Moderne in München ausgestellt ist. Sein erster Job führte ihn zum Designbüro Schlagheck & Schultes, von dem ihn Herbert Schultes mit zu Siemens nahm, wo er für vier Jahre in New York ein US-Designbüro aufbaute und anschließend bis 2006 diverse führende Positionen im Designmanagement hielt. Parallel entwarf er immer Möbel. 2010 erfüllte er sich seinen Traum eines nicht-marketing-getriebenen Möbelherstellers und startete zusammen mit Freunden und Weggefährten das Projekt AUERBERG.