Mindful Business Interview

Oliver Groß, Sonett GmbH, Deggenhausen im Gespräch mit
Prinz Felix zu Löwenstein
Autor des Buchs: “Food Crash, wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr”.
Zudem Vorstand im Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft und Vorstandsvorsitzender im Naturland e.V.

Achtsamkeit in Bezug auf den Umgang mit unserem Planeten und dessen Ressourcen und “hartes Business” scheinen sich oft zu widersprechen. Muss dies so sein? Wo liegen die Potenziale und wo die größten Widerstände?

Solange sich Wirtschaftsbeteiligte diese Achtsamkeit nur aus den Überschüssen ihrer Geschäfte als „Corporate Social Responsibility“ leisten können, ist der Widerspruch nicht auflösbar. Das wird erst möglich, wenn Achtsamkeit den Gewinn steigert und Ressourcenverschwendung ihn vermindert.

Mindfulness ist eher etwas, das in uns passiert, oder von uns aus geht. Gibt es äußere Anlässe in der Wirtschaft, die sogar Achtsamkeit fordern? Wenn ja, wo fühlen Sie diese Forderung am stärksten?

Wo auf die Bedürfnisse von Mitarbeitern geachtet werden muss, damit sie sich wohlfühlen, deshalb loyal und leistungsbereit sind. Wo das Ansehen des Unternehmens und damit sein Erfolg im Markt auf dem Spiel steht. Oder wo es um die Verfügbarkeit von Ressourcen und die Funktionsfähigkeit von Einrichtungen geht, die dem Unternehmensziel dienen – da wird Achtsamkeit eingefordert.

Achtsamkeit hat sehr viel mit Empathie zu tun – mit der Fähigkeit sich in die Bedürfnisse und Empfindungen anderer Menschen hinein zu versetzen. Haben Sie diese Fähigkeit speziell trainiert – durch Meditation, Yoga oder andere Übungen?

Habe ich nicht. Es ist das Wissen um die Verantwortung gegenüber meinen Mitmenschen – und dazu zählen auch die, die nach uns oder in großer Entfernung von uns leben – um die Würde des Menschen als Gottes Geschöpf ganz grundsätzlich. Aus dieser Gewissheit erwächst eine Haltung des Respekts und der Wertschätzung.

Gab es besondere Begegnungen mit anderen Menschen die Ihre Arbeitsweise stark beeinflusst haben?

Die Mutter eines unvorstellbar schwer behinderten Kindes, die in der Lage war, dieses Kind als Geschenk und mit ihm erlebte Stunden als Bereicherung zu sehen, hat mir verdeutlicht, wie ungeheuer viel Entwicklung noch vor mir liegt.

Gibt es ein Schulfach, das Sie einführen würden, um einen achtsameren Umgang mit Ressourcen, Menschen und Umwelt zu fördern?

In nur zwei, drei Generationen ist der Bezug zur Landwirtschaft und damit zur Herstellung unserer täglichen Nahrung bei fast allen Menschen komplett abgerissen. Das Schulfach der Ernährungslehre, in dem Wissensvermittlung durch eigenes Tun – z.B. Schulgarten und Schulküche – geschieht, könnte diesen Bezug wieder herstellen und die Kompetenz vermitteln, deren Fehlen nicht nur zu ahnungsloser Ressourcenzerstörung, sondern auch zu epidemisch sich ausbreitenden Ernährungserkrankungen führt.

Für wie wichtig halten Sie es zwischendurch einmal einen Tag persönlich “offline” zu sein – hiermit verbinde ich auch die Frage nach dem Erleben von Einsamkeit und des sich Einlassens auf längere Gespräche mit Freunden, Familie und Geschäftspartnern?

Die Kunst des Vollkommendaseins wäre die Kunst des vollkommen Vater- oder Ehemannseins. Sie ist durch die Verführung des ununterbrochen Onlineseins erheblich schwerer zu üben.

Über ein paar spontane Stichworte zu Ihrer Kindheit in Bezug auf Mindfulness würde ich mich freuen:

Ein guter Freund hat mir gespiegelt, wie wenig dankbar ich war für das was man mir an Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Großzügigkeit entgegen bringt. Das verstanden zu haben, war ein großer Schritt.

Vielen Dank für Ihre Gedanken und Zeit.

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Am 03.03.2015 hatten wir Felix zu Löwenstein zu Gast im Kölner Wirtschaftsgespräch #11.
In der Diskussion ging es u.a. um die Frage nach der Möglichkeit einer sinnhaften intensiven ökologischen Landwirtschaft.

8 Podium
Jörg Wagner, Robert Poschacher, Felix zu Löwenstein, Helmut Schramm, Oliver Groß

6 Zuhörer
Kölner Wirtschaftsgespräch im Rotonda Business-Club in Köln