Mindful Business Interview

Oliver Groß, Sonett GmbH, Deggenhausen im Gespräch mit
Gerhard Heid, CEO Sonett GmbH

Achtsamkeit in Bezug auf den Umgang mit unserem Planeten und dessen Ressourcen und “hartes Business” scheinen sich oft zu widersprechen. Muss dies so sein? Wo liegen die Potenziale und wo die größten Widerstände?

Der größte Widerstand für den achtsamen und verantwortlichen Umgang mit der Natur liegt m. E. in dem linearen, mechanistischen Denken. Dies mag für maschinell-industrielle Prozesse geeignet sein, jedoch nicht für die Lebensprozesse in der Natur. Diese verlaufen in Kreisläufen, in Metamorphosen und Entwicklung. D.h. die Chance für unseren Planeten liegt allein in einem ganz neuen Denken in einem  Denken, das selbst organisch wird.

Mindfulness ist eher etwas, das in uns passiert oder von uns ausgeht. Gibt es äußere Anlässe in der Wirtschaft, die sogar Achtsamkeit fordern? Wenn ja, wo fühlen Sie diese Forderung am stärksten?

Organisches Denken ist m. E. besonders an zwei Stellen gefragt: In allem Sozialen und existentiell in der Landwirtschaft.
Landwirtschaft industriell denken, führt zu Monokulturen, Pestiziden, Massentierhaltung und dem Missverständnis der Gentechnik.

Achtsamkeit hat sehr viel mit Empathie zu tun – mit der Fähigkeit sich in die Bedürfnisse und Empfindungen anderer Menschen hinein zu versetzen. Haben Sie diese Fähigkeit speziell trainiert – durch Meditation, Yoga oder andere Übungen?

Vor über 40 Jahren habe ich durch Anthroposophie verstanden, dass die Welt einen Sinn hat und, dass es für die Verwirklichung auf mich, d.h. auf jeden Einzelnen ankommt. Diese Verantwortung nehme ich seither ernst und übe diese täglich.

Gibt es Übungen oder Verhaltensweisen oder Fragen die Sie nutzen wenn Sie sich mit einem neuen Geschäftsfeld, einem neuen Produkt, einer neuen Geschäftsidee beschäftigen (die einem meditativen Zustand ähneln könnten)?

Meditation und Kontemplation betreibe ich niemals zweckorientiert. Geistesschulung ist für mich ein Lebensprozess und kein Seminarprogramm.

Gab es besondere Begegnungen mit anderen Menschen, die Ihre Arbeitsweise stark beeinflusst haben?

Meine bedeutendste menschliche Begegnung war die mit Rudolf Steiner. Am meisten beeindrucken mich Menschen, die ganz anders veranlagt sind als ich. Menschlich berühren mich am meisten Begegnungen mit sog. “geistig Behinderten”.

Gibt es ein Schulfach, das Sie einführen würden, um einen achtsameren Umgang mit Ressourcen, Menschen und Umwelt zu fördern?

Eigene Fragen entwickeln, Selbstaktivierung, organisches Denken.

Sagen wir, wir sind uns einig, dass die Digitalisierung aller Lebensbereiche fortschreiten wird. Wie schätzen Sie die allgemeinen gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Digitalisierung in Bezug auf den Moment der Achtsamkeit ein?

Individualität, Achtsamkeit und Verantwortung sind nicht verhinderbar.

Für wie wichtig halten Sie es zwischendurch einmal einen Tag persönlich “offline” zu sein. Hiermit verbinde ich auch die Frage nach dem Erleben von Einsamkeit und des sich Einlassens auf längere Gespräche mit Freunden, Familie und Geschäftspartnern?

Das würde ich als „online“ bezeichnen, als existentiell zu meinem Verständnis von Leben und Arbeit zugehörig.

Über ein paar spontane Stichworte zu Ihrer Kindheit in Bezug auf Mindfulness würde ich mich freuen:

Ich war ein sehr mäßiger Schüler, es gab nur zwei Lehrer, die auf mich Eindruck gemacht haben, in die Schule ging ich trotzdem gerne – wegen meiner Mitschülerinnen und Mitschüler.

Über ein herausstechendes Ereignis in Ihrer Ausbildung in Bezug auf Achtsamkeit würde ich mich freuen:

Mein BWL-Studium hat mich zu der absoluten Grenze geführt: So nicht! Durch Anthroposophie hat sich für mich „das ganz Andere“ eröffnet.

Vielen Dank

Sonett-Heid
Wasserverwirbelung bei Sonett

Zu Besuch bei Sonett im Deggenhausener Tal, hier vor der Wasseraktivierung: